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Preisrichtervereinigung Sittiche und Exoten
Preisrichtervereinigung Sittiche und Exoten 1974 - 1999
Klaus Speicher würdigte den Anlass bei der Preisrichterschulungstagung im Sommer 1999 in Bad Harzburg mit der Geburtstagsrede
25 Jahre Preisrichter-Gruppe Sittiche und Exoten im DKB
Meine Damen und Herren,
-werte Kolleginnen und Kollegen
-meine lieben Freunde
sage ich auch, denn mit der Liebe und Hinneigung zum Vogelgeschäft verbinden Freundschaft und Gemeinsinn die hier Versammelten.
Um ein größeres Bildwerk richtig betrachten zu können, gilt es einen bestimmten Abstand zu halten. Ja - jedes Erkennen und Bewusstwerden verlagt nach Distanz; auch zeitliche.
Bei mir stimmt diese Distanz, denn ich entsinne mich noch an die Gründungsphase - und auch an die erste Exotenbewertung der DKB-Meisterschaft in Trossingen, an treue Weggefährten, für die alle ich den so tragisch verschiedenen Zfrd. Hans Held nennen möchte, der trotz seiner Beinamputation, für die Sache bis an die Grenze physischer Erschöpfung im Einsatz war. Er schonte sich nie beim Käfigschleppen, Rangieren, Heben, Rücken oder bei Schreibarbeiten. Geburten sind ja nie eine leichte Sache, wovon die Frauen ein Lied singen können.
Welchen Weg die Fachgruppe mit dem zugehörigen Prüfungsgremium in der Frist eines Vierteljahrhunderts nahmen, hat Zfrd. Paul Große-Geldermann im Jubiläumsheft 50-Jahre DKB im Oktober 1997 sehr anschaulich beschrieben. Es war eine ruhige Fahrt der erfolgreichen Entwicklung, weil zwei Steuerleute so exakt Kurs hielten, denn neben Paul stand Walter Reitmeier auf der Kommando-Brücke für die Fachgruppe, die so unterschiedliche Arten und Gattungen zu betreuen hat wie keine andere in der Dachorganisation DKB.
Ich will der Gruppe ganz herzlich gratulieren zum Silber-Jubiläum, denn sie verdient es. Einmal dem Gespann der Führungs-Crew, die sich im genannten Sonderheft lachend und in Einigkeit gemeinsam vorstellt, dann aber ebenso herzlich für die Tatsache, dass Frauen aktiv das Richteramt der Bewertungen ausüben und schließlich die Offenheit und Bereitschaft in steter Fleißarbeit Neues zu lernen, Vogelkundewissen zu sammeln und Erfahrungen der Praxis auszutauschen. Dabei ist es wichtig, dass wir "älteren Hasen" weder eigenbrötlerisch noch eifersüchtig werden dürfen, sondern vielmehr Genugtuung und Zufriedenheit darüber empfinden können, wenn aus dem Nachwuchs Persönlichkeiten und Köpfe herausragen, deren Stimmen Aufmerksamkeit und breite Akzeptanz verdienen. Nur das lässt ein "Wir-Gefühl" für beide Seiten. Das gilt nicht nur für den Handel, sondern auch in Wissen und Kenntnis.
So wie der Geist den Fragenden braucht, braucht Begeisterung die Gemeinschaft.
Zeit meines Lebens hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Wir eilen auf die 10-Milliarden-Grenze zu und der Mensch hört nicht auf in seinem Gebaren als Räuber der Natur gegenüber. Es versetzt die Geldriesen in einen Hochzeitstaumel; während Olivetti der Deutschen Telekom die Braut wegschnappen konnte, vermählt sich die Deutsche Bank mit Bankers Trust in Amerika, weil Geld Geld verdient und der Faktor Mensch weltweit aus dem Wertschöpfungsprozess hinausgedrängt wird. Wie es dem Geld geht, hören wir täglich von morgens bis abends: DAX - DOW JONES - NIKKEI-INDEX - Goldwerte, doch fragt noch ehrlich, wie es uns geht? Wir müssen es also selbst in die Hand nehmen, dass Freude und Erbauung, friedvolles Miteinander und innere Beglückung als Grundgerüst humanen Daseins fortbestehen. Das ist gelebte Kultur.
Vogelzucht gehört zu den kulturellen Aktivitäten. Dies in die Öffentlichkeit zu tragen, ist mein Ansinnen und ich bitte Euch alle daran mitzuwirken.
"Den Artenfächer verbreitern
die Rassenkunde vertiefen."
habe ich den Ausblick in die Zukunft - im schon erwähnten Sonderheft genannt.
Keine Menschengeneration vor uns hat die Artenvielfalt der Avifauna in Obhut gehabt wie wir. Keine vitale Mutante geht unwissentlich verloren. Die Naturarten haben unangetastet Vorrang, doch ein Glaubenskrieg zwischen Aposteln der Ursprungsarten und - meist kommerziell angestachelten - Mutanten-Predigern - die es in unseren Reihen beide gibt, ist unsinnig!
Im Juli-Heft "Der Vogelfreund" werden im Blickpunkt - dem Leitartikel - "Exoten, die keine mehr sind" abgehandelt.
Lassen Sie mich noch ein Wort über Vogelmischlinge sagen, denn dazu werde ich sehr oft angesprochen: Ich habe vor 12 Jahren in Frankreich im Club des Exotiques CDE mit angeregt und beschlossen, Prachtfinken Mischlinge auszuschließen, aus Erfahrung als Preisrichter: Einmal hatte ich "gemachte Bandfinken" vor mir, die in Form und Schuppung Rotkopferben waren und weiter glaubte ein Züchter die Forbes PA mit Kittlitz der Dreifarben PA prominenter machen zu müssen.
Das ist bei uns in Deutschland dem Feuerzeisig im übrigen ähnlich ergangen mit dem Magellan.
Bei den Psittaciden - allen Krummschnäbeln ist Gottlob die Artenschranke das wichtigste "Verkehrszeichen" im Schauwesen.
Ich will kein Fachreferat halten, das ist nicht im Sinn einer Gratulation, deshalb komme ich zum Schluss, nicht ohne zuvor dem neuen Vorsitzenden Max Brunner hier öffentlich ein Dankeswort zu sagen, denn er hat im vorigen Monat bei uns im Saarland als Referent mitgewirkt bei einer Sonntags-Matinee Weltbürger Wellensittich, zu der auch Züchterfreunde aus dem benachbarten Frankreich mit ihren WS gekommen waren. Ihm und seinen Vorstandskollegen Heinz Günter Hartmann und Heinz Steegmüller wünsche ich gutes Gelingen und im Verbund mit Eva Hartmann und Josef Hobbold Kontinuität mit der Fachgruppe Sittiche/Exoten, als deren Vorsitzenden ich Walter Reitmeier grüßen darf.
Ihnen allen lege ich ans Herz: Die Vogelzucht ist eine liebreizende Tätigkeit, die durch Bewertungen nicht zu leiden braucht, wenn Sinn und Verstand Werkzeuge des Wortwechsels bleiben
Klaus Speicher